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Was ist eigentlich Misteltherapie bei Krebserkrankungen?

Ihren Ausgang hatte diese Methode bereits im Altertum, nahm dann ihren Weg über die Volksmedizin des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit, wurde - zunächst intuitiv - in der anthroposophischen Medizin eingesetzt und ist heute weitgehend wissenschaftlich erforscht. Ein spannender Weg; er zeigt uns, dass die Ergebnisse neuzeitlicher wissenschaftlicher Forschungen die - zum Teil uralten - „einfachen“ Erfahrungen der Volksmedizin bestätigen

Vorab: Die Misteltherapie ist heute die am weitesten verbreitete komplementärmedizinische Behandlung 1 in der Onkologie 2. Deshalb wollen wir uns näher mit ihr befassen.

Die Mistel ist ein auf Bäumen wachsender Halbschmarotzer, der sich durch sein auffälliges Äußeres (kugelige Gestalt, immergrüne Blätter) und sein besonderes Verhalten (Blütezeit und Fruchtreife im Winter) aus der übrigen Pflanzenwelt deutlich heraushebt.

Die Therapie mit der Mistel hat eine Geschichte, die bis ins Altertum zurückreicht:

  • Hippokrates 460 v. Chr.: Gegen die "Milzsucht"
  • Die Druiden verwendeten die Mistel als Kultgegenstand
  • Mittelalter - als Therapie von Geschwüren und Abszessen, später Epilepsie und Hypertonie
  • Kräuterbücher des 16./17. Jahrhunderts: Die Mistel kann „allerley geschwulst zertheilen, erweichen und herausser ziehen“ 3
  • 1917: Rudolf Steiner empfiehlt, ein Krebsmittel aus der Mistel herzustellen
  • 1930: Kaelin - wissenschaftliche Bearbeitung über die Krebstherapie mit Mistel
  • 1938: Koch - erste tierexperimentelle Untersuchung mit Mistel

Intuitiv setzte Rudolf Steiner - der Begründer der Anthroposophie - die Mistel in Verbindung mit dem Krebsgeschehen. Er empfahl bereits 1917, ein Krebsmittel aus der Mistel herzustellen. Ausschlaggebend war (und ist) dabei die Beobachtung, dass die Mistel in ihrem Verhalten einem Krebsgeschwür ähnelt:

Die Mistel dreht sehr viele Prozesse der Natur um, sie ist eine Pflanze, die von einer anderen Pflanze lebt. Auch der Krebs haftet an einem gesunden Organ und wird immer größer. Die Mistel braucht oft doppelt so lange wie eine normale Pflanze, um überhaupt zu wachsen, Krebs entsteht auch erst langsam und wächst dann im Endstadium sehr schnell. Die Mistel ist also eine Geschwulst am falschen Ort (wie auch der Krebs). Und:

  • Die Mistel richtet sich nicht nach der Sonne aus, so richtet sich auch der Krebs nicht nach anderen Organen.
  • So wie bei der Mistel beide Blattseiten gleich sind, sind bei Tumoren meistens auch alle Zellen gleich.
  • So wie die Krebsgeschwulst, hat auch die Mistel ein ausgeprägtes Eigenleben. Sie orientiert sich nicht am Wechsel der Jahreszeiten und verhält sich ihrer Umwelt gegenüber wie ein Fremdkörper.
  • Die Mistel ernährt sich nicht selbst, sondern bezieht einen Gutteil ihrer Nährstoffe von dem Baum, auf dem sie wächst. Der Tumor ernährt sich nicht selbst, sondern von dem Körper, in dem er sich gebildet hat.

Rudolf Steiner lehrte nicht nur die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten der Mistel, sondern er gab auch Anweisungen, wie man den Mistelextrakt gewinnt. Je nach Wirtsbaum werden verschiedene Mistelpräparate hergestellt.

Es gibt auf der Erde rund 1.400 Pflanzenarten, die als Misteln bezeichnet werden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht in der Erde, sondern auf Bäumen wachsen. In Europa ist die Weißbeerige Mistel (Viscum album) am weitesten verbreitet. Nur die Weißbeerige Mistel von bestimmten Wirtsbäumen wird zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Mistel-Präparate werden u. a. von Misteln folgender Wirtsbäume hergestellt:

  • Apfel - Mali
  • Kiefer - Pini
  • Eiche - Quercus
  • Ulme - Ulmi

Die Mistel bekommt durch die Art ihres Wirtsbaums eine typische Prägung. Dafür gibt es bestimmte Regeln, die auf Hinweise Rudolf Steiners zurückgehen. So empfahl er die Apfelbaummistel bei Unterleibskrebs, Nadelbaummisteln bei Tumoren in der Brust, Eichenmisteln bei Krebserkrankungen im Oberkörper. Die typische Prägung lässt sich aber nicht nur phänomenologisch, sondern auch analytisch gut aufzeigen: So hat die Forschung der letzten Jahre gezeigt, dass sich bei bestimmten Inhaltsstoffen Unterschiede in Qualität und Quantität nachweisen lassen, wenn die Pflanze von unterschiedlichen Wirtsbäumen stammt.

Die aus der anthroposophischen Medizin entwickelten Präparate sind Gesamtextrakte aus frischen Misteln, die jeweils im Sommer und im Winter geernet werden; die Präparate werden nach der Wirtspflanze, auf der die Mistel wächst, unterschieden, wie wir am Beispiel der Iscador-Mistel - den ältesten Mistelpräparaten - sehen:

  • Iscador M - vom Apfelbaum (Mali)
  • Iscador P - von der Kiefer (Pini)
  • Iscador Qu - von der Eiche (Quercus)
  • Iscador U - von der Ulme (Ulmi)

Die Präparate enthalten Auszüge aus allen Teilen der Mistel: aus Blättern, Stängeln, Beeren, Samen und Blüten.

Welcher Wirtsbaum (und somit welches Mittel) sollte gewählt werden? Rudolf Steiner hat - wie bereits ausgeführt - einige Angaben zur Verwendung der verschiedenen Wirtsbäume bei den Tumorarten gemacht. Viele weitere Gesichtspunkte sind empirisch gefunden worden. Früher glaubte man, dass es nur eine anthroposophische Idee wäre, dass Apfelbaummistel sich deutlich von Eichenmistel unterscheidet. Heute kann man durch verschiedene Methoden der Mistel-Inhaltsforschung zeigen, dass z. B. diese beiden Mistelarten völlig verschieden sind und ihre Inhaltsstoffe qualitativ und quantitativ differieren.

Die Wahl des geeigneten Mittels ist von verschiedenen Faktoren abhängig, so spielen u. a. die Tumorart und das Geschlecht des Patienten eine erhebliche Rolle.

Mistelextrakt besteht aus einer Vielzahl verschiedener Inhaltsstoffe. Mistelextrakt ...

Mistelextrakt ...

  • ... kann den „Selbstmord“ der Krebszellen anregen und somit dazu beitragen, dass der Tumor nicht weiterwächst oder sogar kleiner wird - ohne Beeinträchtigung des gesunden Gewebes.
  • ... kann Folgetumore (Rezidive) und Tochtergeschwulste (Metastasen) verhindern.
  • ... regt das Immunsystem an. Durch die Krebserkrankung zahlenmäßig verringerte Immunzellen vermehren sich wieder.
  • ... lindert tumorbedingte Schmerzen.
  • ... bewirkt eine entzündliche Reaktion und leichtes Fieber. Dieses leichte Fieber führt dazu, dass der Körper insgesamt besser durchwärmt und aktiviert wird. Das regt den Organismus zu verstärkter Abwehr an und
  • ... führt zu einer Besserung des Allgemeinbefindens
  • ... führt zu einer Verbesserung von Appetit und Schlaf
  • ... führt zu einer Aufhellung der depressiven Stimmungslage
  • ... führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität
  • ... macht eine Strahlen- und Chemotherapie besser verträglich.

Zu diesen Ergebnissen kommen inzwischen auch 48 klinische Studien, in denen die Wirksamkeit einer Misteltherapie bei über 10.000 Krebspatienten untersucht wurde. Die Ergebnisse wurden nicht nur bei einer Tumorart festgestellt, sondern bei sehr vielen verschiedenen. Die Studien erfolgten bei Krebserkrankungen von Harnblase, Prostata, Eierstock, Gebärmutterhals, Brust, Magen, Bauchspeicheldrüse, Darm, Leber, Lunge, Haut, Blut und Niere.

Alle genannten Wirkungen werden durch die verschiedenen Inhaltsstoffe des Mistelextrakts hervorgerufen, wobei auch das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle spielen dürfte.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Mistelextrakts und ihre Wirkung:

  • Proteine - wirken zytostatisch 4
  • Mistellektine I, II, II (Glykoproteine) - wirken zytotoxisch 5 und immunstimulierend
  • Viscotoxine - wirken zytolytisch 6 und immunstimulierend
  • Aminosäuren - wirken immunstimulierend
  • Polysaccharide - bewirken eine Steigerung der immunstimulierenden Wirkung der Lektine
  • Vitamin C - wirkt immunstimulierend

Mistelpräparate können nicht als Tabletten eingenommen werden, da die eiweißhaltigen Inhaltsstoffe sofort vom Magensaft verdaut und damit unwirksam werden. In der Regel werden die Mistelpräparate unter die Haut gespritzt (subcutane Injektion).

Komplementärmedizinische Behandlungsformen in der Onkologie - wozu auch die Misteltherapie zählt - sollten im Regelfall nicht als "alternative Therapieformen" zu den tumorzerstörenden Maßnahmen (Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie) betrachtet werden. Auch wenn komplementärmedizinische Therapiekonzepte als Hauptziele unter anderem die Verlängerung von Patientenüberlebenszeiten oder die Verlängerung des rezidiv- oder metastasenfreien Intervalls oder die Verhinderung von Metastasierung und Rezidivierung verfolgen, sind sie primär als Ergänzungen (im Idealfall als Optimierungen) der onkologischen Standardtherapie zu betrachten.

1 Komplementärmedizinische Behandlungen sind naturheilkundliche Verfahren, die ergänzend zur Schulmedizin eingesetzt werden.

2 Onkologie = Gebiet der Medizin, das sich mit der Entstehung und Behandlung von Tumoren und tumorbedingten Krankheiten beschäftigt.

3 Hieronymus Bock: "Von der Krafft und Würckung" (1577)

4 Hemmung der Zellteilung

5 tumorzerstörend

6 Auflösung der Krebszellen durch Zellwandzerstörung

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