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Was ist eigentlich Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie arbeitet mit der Injektion von Lokalanaesthetika (= Medikamente zur örtlichen Betäubung) - also z. B. Procain, Lidocain - zu therapeutischen Zwecken. Die Wirkung der Neuraltherapie beruht dabei weniger auf der pharmakologischen Wirksamkeit des Betäubungsmittels auf die Gewebe, in die es injiziert wird, sondern vielmehr auf der Einflussnahme auf lokale oder übergeordnete Regelkreise. Die Neuraltherapie basiert auf der Vorstellung, dass das vegetative Nervensystem als Schaltstelle zwischen Leib und Seele aufzufassen ist und somit über die vegetativen Nervenbahnen Krankheitsprozesse beeinflusst werden können. So stützt sich die Neuraltherapie auf zwei Prinzipien: die Segmenttherapie und die Störfeldtherapie.

Um die Wirkungsmechanismen der Neuraltherapie zu verstehen, muss man etwas in die Geschichte zurückgehen:

Die Brüder Walter und Ferdinand Huneke, beide Ärzte, behandelten in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolglos die Migräneanfälle ihrer Schwester. Um nichts unversucht zu lassen, spritzten sie ihr bei einer Schmerzattacke versuchsweise ein neues Rheumamittel in die Vene, ohne viel Hoffnung auf Erfolg. Doch zu ihrer großen Überraschung besserten sich bereits während der Injektion die Beschwerden. Und die Besserung war nicht nur vorübergehend, sondern hielt an. Es konnte sich also nicht um eine reine Schmerzbetäubung gehandelt haben, auch eine Suggestivwirkung schied aus. Als die beiden Ärzte der Sache auf den Grund gingen, mussten sie feststellen, dass das Rheumamittel einen Procainzusatz enthielt, der nur der schmerzlosen intramuskulären Injektion diente und von dem man annahm, dass er bei intravenösen Injektionen zu einer tödlichen Gehirnlähmung führen konnte, was aber nun widerlegt war.

Die Brüder Huneke hatten durch ihren "Kunstfehler" herausgefunden, dass Procain nicht nur als Schmerzbetäubungs-, sondern auch als Heilmittel wirkt. Sie erprobten daraufhin Procain in langen Versuchsreihen. Während der Versuche spritzte einer der beiden Ärzte das Procain versehentlich nicht in, sondern neben die Vene. Der Heilerfolg blieb jedoch unverändert. Es wurde deutlich, dass Procain nicht übers Blut, sondern über die jedes Blutgefäß umgebenden Nervenfasern wirkt. So entstand die Segmenttherapie - die bis heute eine der Säulen der Neuraltherapie darstellt.

Die Segmenttherapie geht davon aus, dass bestimmte Hautareale (sog. Headsche Zonen 1)) mit inneren Organen durch Nervenbahnen verbunden sind. Durch Injektion eines Anaesthetikums in die entsprechenden Hautbezirke werden die inneren Organe behandelt. Diese sog. Quaddelbehandlung in den Segmenten hat sich u. a. bei chronisch-rheumatischen Schmerzen als wirkungsvoll erwiesen. Bei der neuraltherapeutischen Behandlung wird meistens zuerst mit der Segmenttherapie begonnen. Durch intrakutane Injektionen (in die Haut) wird versucht, die Nerven über bestimmte Hautgebiete zu beeinflussen. Oftmals führt diese Behandlung auch zum Erfolg. Das injizierte Anaesthetikum liefert den Körperzellen Energie und aktiviert die Selbstheilungskräfte.

Wird jedoch mit der Segmenttherapie nichts erreicht, beginnt die Suche nach einem Störfeld:

Auch hier muss wieder in die Historie gegangen werden: 1940 entdeckte Ferdinand Huneke das Sekundenphänomen. Er hatte eine Patientin mit starken Schulterschmerzen erfolglos mit der Segmenttherapie behandelt. Im Laufe der Therapie trat eine Reizung einer alten Narbe am Unterschenkel auf. Als Huneke diese behandelte, verschwanden noch während der Injektion schlagartig alle Schmerzen im Schulterbereich. Huneke erkannte, dass es sich hier nicht um einen Zufall handeln konnte und versuchte intensiv, die Zusammenhänge zu erkennen und therapeutisch nutzbar zu machen. Als Ergebnis seiner Arbeit stellte er drei Lehrsätze auf:

  • Jede chronische Krankheit kann störfeldbedingt sein.
  • Jede Stelle des Körpers kann zum Störfeld werden.
  • Die Procaininjektion in das schuldige Störfeld heilt die Störfeld bedingten Krankheiten, soweit dies anatomisch möglich ist, über das Sekundenphänomen (die Heilung im Augenblick der Injektion).

Die Störfeldhypothese besagt also, dass krankhafte Prozesse in einem Organ, Entzündungen, Verletzungen oder Narben störende Impulse an andere Organe senden. Danach können chronische Erkrankungen in einem Körperteil ihre Ursache in ganz anderen Bereichen haben. Diese Störfelder (auch "Herde" genannt) können erkrankte, wurzeltote, vereiterte oder implantierte Zähne, chronisch entzündete Mandeln, verheilte Knochenbrüche und alte Operations- oder sonstige Narben sein, die selbst meistens gar keine Beschwerden machen. Sie wirken aber als „Störsender“ und geben über das Nervensystem an schwache oder geschwächte Organe ständige Störimpulse ab, die dort zu Regulationsstörungen führen.

Manfred Köhnlechner bringt in seinem "Handbuch der Naturheilkunde" zum Verständnis der Störfeldtherapie ein im wahrsten Sinne des Wortes einleuchtendes Beispiel: "Das Licht ist ausgegangen. Wir schrauben eine neue Glühbirne in die Lampe, aber ohne Erfolg. Da fällt uns der Sicherungskasten im Keller ein - tatsächlich, hier liegt die Ursache der Störung. Eine Sicherung ist durchgebrannt, weshalb alle Bemühungen an der Lampe vergeblich bleiben müssen. Aber im gleichen Moment, in dem wir eine neue Sicherung einschrauben, brennt in der Wohnung das Licht wieder. Deshalb sollte es auch nicht auf Verwunderung stoßen, wenn eine Narbe die Entzündung eines Schultergelenks, eine Trigeminusneuralgie oder eine andere chronische Erkrankung auslösen oder unterhalten kann. Und es ist eine logische Konsequenz, dass die Ausschaltung einer solchen Störung auch die Fernsymptome beseitigt, während jede lokale Behandlung ohne Störfeldsanierung erfolglos bleiben muss." 2)

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Neuraltherapie also das Prinzip zu Grunde liegt, dass durch die Entblockung einer „nerval vermittelten Ursache/Wirkungsbeziehung natürliche Heilung einsetzen kann“ 3).

So ist die Neuraltherapie eine Autoregulations-Therapie und damit besonders geeignet für die Behandlung einer Vielzahl chronischer Störungen.

1) Nach den Darlegungen des englischen Neurologen Sir Henry Head (1861-1940) sind alle inneren Organe des menschlichen Körpers über Nervenfasern mit bestimmten Zonen in der Haut verbunden. Die Hautoberfläche ist also das Projektionsorgan des Nervensystems.

2) Köhnlechner: Handbuch der Naturheilkunde

3) Pschyrembel: Wörterbuch Naturheilkunde

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