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Business-Knigge: Osteuropa (Teil 1)

Allein Russland bietet mit seinen 143 Millionen Einwohnern und unendlich scheinenden Ressourcen ungeahnte Märkte und somit ein Dorado für Geschäftsleute aus aller Welt. Wer allerdings meint, den Wilden Osten in Cowboy-Manier erobern zu können, wird schnell enttäuscht. Zwar zerbrachen alte Systeme, doch die neuen, die dabei sind sich aufzubauen und zu konsolidieren, sind oft mindestens so schwer zu verstehen und zu durchdringen wie die alten. Wie sagte schon Churchill über Russland? A mystery wrapped in an enigma – ein in ein Rätsel eingepacktes Geheimnis. Dieser „Business Knigge Osteuropa“ will helfen, das Geheimnis ein wenig zu lüften.

Die einzelnen Länder

Russland
Es ist viel von den „Neuen Russen“ die Rede, die dabei sind, jenseits herkömmlicher Muster einen eigenständigen Weg für ihr Land zu finden. Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, der frühere deutsche Botschafter in Moskau, bezeichnet die russische Jugend als „aufgeschlossen, intelligent, leistungsfähig und -willig“. Sehr modern, könnte man sagen. Dennoch ist Russland immer noch Männerland. Es ist kein Zufall, dass 90 Prozent der Arbeitslosen Frauen sind.

Eine in Westeuropa als Anachronismus angesehene galante Etikette verweist die Frauen auf ihren (zweiten) Platz. So wird es geradezu als Unhöflichkeit empfunden, wenn emanzipierte Frauen Weinflaschen entkorken, Türen selbst öffnen, in Anwesenheit von Männern schwere Taschen tragen, Zigaretten selbst anzünden oder bei einem Treffen dieRechnung bezahlen. Letzteres würde den Stolz des russischen Mannes verletzen.

Auch Minderheiten können nicht unbedingt auf Gleichbehandlung zählen. Ebenso wenig Menschen, die mit Vertretern von Minderheiten (Afrikaner, Asiaten, Juden) verheiratet sind.

Es gibt eklatante Unterschiede im Grad der Weltoffenheit zwischen den Großstädten Moskau und St. Petersburg auf der einen und dem Rest des Landes auf der anderen Seite. Moskau gibt den Ton an. Das Land hat elf Zeitzonen, aber alle Züge fahren nach Moskauer Zeit.

Bei einem ausländischen Arbeitgeber angestellt zu sein ist ein Privileg. Das dort und anderswo verdiente Geld wird gern für Statussymbole wie Handy, große Autos, teures Essen und Getränke ausgegeben. Sind Sie in einen russischen Haushalt eingeladen, werden die Gastgeber keine Ausgaben scheuen. Sagen Sie unbedingt zu. Weigern Sie sich nicht, die Hausschuhe anzuziehen, die Ihnen angeboten werden.

Polen
Die Polen gelten nicht umsonst als die Franzosen des Ostens: Sie sind höflich und galant, tragen elegante Kleidung und verabreichen bei jeder auch nur halbwegs als gesellschaftlich zu erklärenden Gelegenheit einer verheirateten oder älteren Dame den Handkuss. Erscheinen Sie nie mit leeren Händen zu einer Einladung. Wein für den Hausherrn, Schokolade für die Kinder und Bücher für alle. Übersetzungen polnischer Klassiker oder Bücher über Hobbys der Gastgeber werden sehr geschätzt.

Tschechien
Von Tschechen heißt es, dass sie auch bei zwischenmenschlichen Kontakten strategisch vorgehen. So wird zwar schnell die Visitenkarte gezückt, dann aber das weitere Vorgehen entsprechend genauer Beobachtung geplant. Ist das Eis einmal gebrochen, werden Tschechen meist als zugänglich empfunden.

Ungarn
Ungarn wurde spät industrialisiert, daher hatten die Werte und Verhaltensweisen des Landadels bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Vorrang vor denen einer aufstrebenden Mittelschicht. Das ist an manchen Stellen des Miteinanders heute noch spürbar, ähnlich wie dies auch in Polen der Fall ist.

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Sie möchten den Business-Knigge gerne gemütlich in Papierform auf dem Sofa oder vielleicht im Flieger lesen? Kein Problem: Business-Knigge: Osteuropa (Teil 1)

© 2010, wissenmedia GmbH, Gütersloh/München

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