Business-Knigge: Fernost (Teil 1)
Fremde Sitten und Gebräuche
Glaube und Religion
Die konfuzianische Lehre ist vor allem in Japan auch im Geschäftsleben sehr präsent, was u.a. die starke Verpflichtung auf die Gruppe (z.B. die Abteilung) und das Gemeinwohl (die Firma) erklärt. China ist vom Mahayana-Buddhismus geprägt, der für Opfer und Investitionen dem Individuum den Einzug ins Nirvana verspricht; die durchaus auch präsente konfuzianische Überzeugung wird dadurch abgefedert. Gemäß dem Taoismus wiederum, der im Westen über die Yin-und-Yang-Symbolik bekannt ist, vereint sich Unterschiedliches oder gar Widersprüchliches in Harmonie. Schweigen bei einem Meeting spricht eine deutliche Sprache; Lächeln kann Widerspruch überdecken. Auf der Wertschätzung harmonischer Bezüge basiert auch der Shintoismus: Er wertet sowohl belebte als auch unbelebte Objekte als beseelt. Aus der Auswahl von Gegenständen und deren Anordnung im Raum kann Bedeutung abgelesen werden. Dass auch das Christentum und der Islam ihren Einfluss in der Region haben, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt.
Was Sie vermeiden sollten
Fettnäpfchen stehen überall. Immer laufen Sie Gefahr, als Mensch aus dem Westen als ungeduldig, ungehobelt, egoistisch und intolerant angesehen zu werden. Beweisen Sie den Asiaten das Gegenteil. Erfreuen Sie beispielsweise Ihre Gastgeber mit kleinen Geschenken, achten Sie dabei aber auf die Symbolik von Farben, Objekten und Zahlen.
Schenken Sie keine Uhren, sie könnten als Hinweis auf die Vergänglichkeit gewertet werden. Messer sind zu aggressiv. Packen Sie Geschenke erst ein, nachdem Sie die Zollkontrolle passiert haben und nicht in der Trauer vorbehaltenes Weiß. Geben Sie sich vor allem in Japan entsprechend Mühe mit der Verpackung. Dort macht sich sogar eine Papiertüte mit dem Logo einer Nobelmarke gut. Die Zahl Vier meiden Sie, sie wird aufgrund ihrer Lautung im alten Chinesisch mit dem Tod in Verbindung gebracht, die Acht dagegen ist ideal. Obst und einfache Speisen zu überreichen würde suggerieren, Sie unterstellten dem Beschenkten Armut. Liebevoll angerichtete oder verpackte hochwertige Spezialitäten und Getränke, wie Schweizer Schokolade oder Champagner, sind dagegen in Ordnung. Überreichen Sie ein Geschenk für eine Delegation dem Repräsentanten mit dem höchsten Rang.
Verhalten in der Öffentlichkeit
Erweisen Sie Ihrem Gegenüber Respekt, erhalten Sie Respekt – das gilt überall und in Ostasien ganz besonders. Dieses Gebot zur würdevollen Zurückhaltung ist in der Öffentlichkeit gerade in den großen Städten Japans außer Kraft gesetzt: Rechnen Sie damit, gedrängelt und angestoßen zu werden.
Das Englisch von Taxifahrern im Fernen Osten ist in Wort und Schrift gleichermaßen rudimentär. Lassen Sie sich Adressen in der Landessprache/-schrift aufschreiben.
In Japan liest man Ihren Status auch an dem Hotel ab, in dem Sie wohnen. Planen Sie Ihre Unterkunft entsprechend sorgfältig. Haben Sie das Glück, einmal in einem echt japanischen Ryokan zu wohnen, ziehen Sie vor dem Eintreten Ihre Schuhe aus. Immer häufiger sind Bänkchen an den Eingängen aufgestellt, damit Europäer ihre Schnürsenkel bequem öffnen und schließen können. Die Schuhe mit den Spitzen Richtung Ausgang deponieren. Wird Ihnen die Gelegenheit zum gemeinsamen Bad in heißen Quellen geboten, nehmen Sie diese an, auf jeden Fall frisch geduscht und im Adamskostüm. Bevor Sie sich auf der Tatami-Matte zur Ruhe betten, bedenken Sie: Die Wände sind aus Reispapier.
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