Business-Knigge: Fernost (Teil 1)
Die wichtigsten Kommunikationsregeln
Japan
Fremde anzulächeln wird als Mangel an Respekt interpretiert, kontinuierlicher Blickkontakt, ein kerniger Händedruck, lautes Lachen, Berührungen im öffentlichen Raum und die Verringerung der von den Gastgebern vorgegebenen Distanzzonen als Grenzverletzungen. Gerade sitzen und die Gestik reduzieren – das kommt gut an.
Der Rangniedere lässt dem Ranghöheren den Vortritt und der Jüngere dem Älteren, die japanische Frau platziert sich hinter dem Mann. Derartigen geschlechtsspezifischen Zwängen ist eine Geschäftspartnerin aus dem Westen jedoch nicht unterworfen. Sie wird in erster Linie als fremd und in zweiter Linie als Frau betrachtet. Vor allem als Frau aus dem Westen lassen Sie sich geschickterweise mit allen Ehren – Funktionen und Kompetenzen – und von einer Mittelsperson vorstellen.
Expertise in der Sache sowie im verbalen und nonverbalen Ausdruck verhelfen Ihnen zu einer angemessenen Behandlung.
Der Umgang der Japaner mit der Visitenkarte – meishi – ist inzwischen auch im Westen sprichwörtlich. Außer bei sehr stark hierarchischem Gefälle tauschen alle Anwesenden ihre Karten aus. Die Karte wird dem Gegenüber zweihändig an den oberen Ecken gereicht, die seine entsprechend entgegengenommen, oberhalb der verbleibenden eigenen aufbewahrt und in unmittelbarer Anwesenheit des Eigentümers nicht weggesteckt. Lächeln, kurzer Blickkontakt, nicken, das war's. Das subtile Verbeugungsritual überlassen Sie den Japanern untereinander. Sie lesen daran ab, wie sich die Damen und Herren hierarchisch aufeinander beziehen.
China
In China wird die Begrüßung von Geschäftspartnern zügig absolviert, die Rangfolge der Beteiligten ist dabei jedoch ebenso erkennbar. Die Gastgeber erwarten die Gäste. Deren höchstrangige Person betritt den Raum zuerst, erwidert, wenn sie mit Applaus begrüßt wird, den Beifall und wendet sich an den wichtigsten Vertreter der Besucherdelegation. Alle Anwesenden begrüßen sich entsprechend ihrem Status, schütteln mit respektvoller leichter Verbeugung sanft die Hände.
Frauen sind in Top-Positionen immer häufiger anzutreffen, daher werden Business-Frauen aus dem Westen automatisch entsprechend ihrer Position geachtet.
Die wichtigsten Redewendungen
Japan
"Vergessen Sie die Wörter, hören Sie die Situation" – so lautet ein weiser Rat für Asien-Besucher, Schweigen gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihre Gesprächspartner intuitiv zu erspüren.
Dennoch können Sie mit ein paar Wörtern in der jeweiligen Landessprache Punkte sammeln.
"wa" heißt Harmonie und taucht in "konnichi wa" (guten Tag) und "konba wa" (guten Abend) auf. Am Vormittag grüßen Sie mit "ohaiyo gozaimas".
"hai" heißt ja, "iie" nein – doch dieses Wort gebrauchen Japaner so gut wie nie. Eher fragen sie Sie, wie Sie Ihre Frage bzw. Aussage meinen oder ziehen die Atemluft hörbar zwischen den Vorderzähnen ein.
"arigato", danke, ist dagegen ein Wort, das Sie häufig einsetzen können. Zum Abschied sagen Sie "sayonara".
Bleiben Sie beim Englischen, ist bei der Begrüßung das förmliche "How do you do" besser angesehen als das umgangssprachliche "Hello".
China
"ni hao" können Sie zu jeder Tageszeit als Grußformel verwenden und durch "ni hao ma" – Wie geht es Ihnen? – ergänzen. "sher" heißt ja, nicht zu verwechseln mit "shie shie" – danke. "bushi" bedeutet nein und ist nicht zu verwechseln mit "bu shie". Lassen Sie sich die Wörter mehrmals vorsprechen und imitieren Sie nicht nur die Lautung, sondern auch Tonhöhe und Betonung: im tonalen Chinesisch sind alle diese Merkmale Träger von Bedeutung.
Smalltalk
Japan
Auf die Begrüßung folgt in der Regel der Smalltalk. Schneiden Sie nur Themen an, bei denen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit Konsens erzielen. Schildern Sie positive Eindrücke über das Land und das Unternehmen, stellen Sie Fragen zu Sehenswürdigkeiten der Region und Gebräuchen allgemein. Humor ja, Witze nein. Ihre Begeisterung über den Film "Pearl Harbor" halten Sie zurück. Keine Kritik an Japan, keine Kritik an Deutschland und keine persönlichen Komplimente.
China
Auch in China stellen Sie beim Smalltalk keine direkten Fragen und persönliche nur, wenn sie von allgemeinem Interesse sind. Sex, Religion, Geld, die Familienpolitik, die Menschenrechte und die Rolle Chinas in der Region sollten Sie keinesfalls thematisieren, auch nicht nach ein paar Gläsern Reisschnaps. Wenn Sie einer Aussage nicht beipflichten können, kommentieren Sie gelassen mit "Das klingt interessant". Gesichtsverlust sollten Sie weder riskieren noch provozieren.
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